Persönliche Beratung als Sonderfall der Telefonseelsorge



|Geschichte der persönlichen Beratung  |  Wer kommt zur persönlichen Beratung? |  Beratungskonzepte  |

|Einige Aussagen von Klienten auf die Fragen  |



"Ist das nicht schwierig, wenn man die Ratsuchenden nur am Telefon erlebt und nicht sehen kann?", so werde ich immer wieder gefragt. Diese Frage resultiert aus unserer allgemeinen Lebenserfahrung. Auch wir in der Telefonseelsorge(TS) spüren die Defizite bei der anonymen Form der Beratung, in der wir auf die nonverbalen Ausdrucksformen der Klienten weitgehend verzichten müssen. Nur die akustischen Äusserungen (Sprache, Stöhnen, Weinen) stehen uns zur Verfügung. Diese Defizite bedeuten aber auch eine Chance für Mneschen, die erst vorsichtig und anonym eine Beratungsstelle abtasten wollen. Wir nennen das ein "niederschwelliges Angebot", das wir 24 Stunden am Tag gewährleisten. Diese Hauptaufgabe definiert im Wesentlichen die Identität der TS. Die persönliche Beratung an der TS Passau ist nach unserer 25 jährigen Erfahrung eine sinnvolle Ergänzung und doch bleibt sie in Deutschland eine Ausnahme.


Geschichte der persönlichen Beratung

1975 begann Pater Clemens Kleine mit zwei ausgebildeten Eheberaterinnnen den Dienst am Telefon. Die Qualifikation des Teams und die relativ geringe Anruferfrequenz ermöglichte und erforderte von Anfang an das persönliche, beraterisch - seelsorgliche Gespräch. Pater Galke führte 1986 als neuer Leiter der Stelle die Tradition der persönlichen Beratung fort. Die jahrelange bewährte Kooperation von Telefonseelsorge und Maristen förderte durch Beichte und Seelsorge das persönliche Gespräch.
Die Tradition von 25 Jahren hat das persönliche Beratungsgespräch durch die hauptamtlichen Mitarbeiter zu einem festen Bestandteil in der Passauer TS werden lassen.


Wer kommt zur persönlichen Beratung?

  1. Klienten und Anrufer, die zunächst telefonisch eine Aussprache suchten, merkten schließlich, dass sie für sich mehr in Anspruch nehmen wollten als die anonyme Form der Beratung.
    Die Aufgabe der Anonymität deutet dabei bereits auf die Entwicklung von Vertrauen hin, was als Heilfaktor zu werten ist.


  2. In der einjährigen TS - Ausbildung erleben viele ehrenamtliche Berater, dass sie selbst manche kritischen Lebensereignisse verarbeiten und in ihr Leben besser integrieren wollen. Sie entscheiden sich, selbst eine persönliche Beratung in Anspruch zu nehmen und tun dies oft bei einem der Hauptamtlichen der TS.


Beratungskonzepte

Die drei hauptamtlichen Berater an der TS Passau bieten verschiedene Beratungskonzepte an.

Der Leiter der Stelle, Pater Georg Galke orientiert sich am Psychodrama: Hier werden innere Konflikte mit verschiedenen kreativen Ausdrucksformen dargestellt (z. B. Rollenspiel - Aufstellung - Malen). Die Probleme werden nicht nur erzählt, sondern "sichtbar" gemacht. Auch Lösungen können "sichtbar" gemacht werden.


Frau Dölzer orientiert sich an der klientenzentrierten Gesprächsführung nach C. Rogers. Dieses Beratungsmodell geht davon aus, dass wir Menschen für unsere Konflikte die Lösungen in uns tragen. Durch die Empathie und Wertschätzung des(r) Beraters(in)wird der / die Klientin ermutigt, seinen / ihren Weg zu finden.


Herr Josef Feigl orientiert sich an der systemischen Beratung, die davon ausgeht, dass Menschen von Kindesbeinen an für sich nach passenden Handlungs-, Verhaltens- und Interpretationsmodellen suchen. Dieser Prozess kann so stark blockiert sein, dass neue kommunikative, innerpsychische oder organisatorische Verhaltensweisen gefunden werden wollen. In der Beratung werden dabei eher die Ressourcen als die Defizite thematisiert.


Einige Aussagen von Klienten auf die Fragen:

"Wie ist es dazu gekommen, dass Sie die persönliche Beratung in der TS in Anspruch nehmen?"
"Was bringt ihnen die Beratung?"

"Ich habe schon viel früher das Schild gesehen und mir gedacht, dass ich da hin gehn könnte, wenn es mir schlecht geht."
"Ich fühle mich an einem sicheren Ort - und vor allem angenommen, das ist das Wichtigste."




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